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Optischer Telegraf

Das Ablesen der Codierung musste von den Telegrafenbeamten in zwei gegeneinander spiegelverkehrten Richtungen beherrscht werden, da der Telegrafenverkehr ja in beiden Richtungen ablief. Hierzu waren eine intensive Einarbeitung und regelmäßiges Üben vorgeschrieben und auch notwendig.In jeder Station verrichteten je ein Ober- und ein Untertelegrafist den Dienst an der telegrafischen Anlage. Diese Beamten waren in der Regel altgediente Militärangehörige, oft vom Rang eines Unteroffiziers mit Anspruch auf Anstellung oder Versorgung. Einstellungsvoraussetzung war, neben einem guten tech-nischen Verständnis, die Beherrschung der Kulturtechniken Schreiben, Lesen und Rechnen. Im ersten Teil der „Instruction“ für die Telegrafisten, der die Aufgaben der Telegrafenbeamten beschreibt, heißt es außerdem: „Ein guter Telegraphenbeamter muß ein Mann von gesundem und unbefangenem Urtheil sein, dem Beobachtungsgeist nicht abgeht, Nüchternheit und ein in jeder Beziehung anständiges Betragen werden vorausgesetzt, als Eigenschaften ohne welche die oben erwähnten den größten Theil ihres Wertes verlieren würden“, und:„Das Telegrafieren ist keineswegs ein so leicht Geschäft, dass es von einem Jeden, der nur dazu abgerichtet wird, betrieben werden könnte“.Bereits 18 Jahre nach Abnahme der optischen Telegrafenlinie wurde diese durch die Erfindung des elektromagnetischen Telegrafen am 12.Oktober 1852 gänzlich eingestellt.Die Telegrafenlinie wurde nicht auf einmal abgeschaltet, sondern der Teilbereich Berlin-Köln ging bereits 1848 außer Dienst. Damit waren auch die Stationen Schlebusch und Flittard betroffen. Auf der Linie Köln-Koblenz wurde noch bis 1852 gesendet.Nachdem die Flittarder Station nicht mehr benötigt wurde, hat man den vierstöckigen Signalturm um zwei Stockwerke abgetragen und ein neues Dach aufgesetzt.

Optische Telegrafenstation Nr. 50 in Köln-FlittardSchuld war der „Erbfeind“, schuld waren die „dräuenden Welschen“ jenseits des Rheins, als Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. in Berlin die Bildung einer „Immediatskommission zur Errichtung von Telegraphenlinien“ befahl. Das Streben, in möglichst kurzer Zeit viele auch verschlüsselte und geheime Nachrichten von der Hauptstadt bis an die Grenze des Königreichs Preußen zu übermitteln, hatte ausnahmslos militärische Gründe, Sicherheitsaspekte würde man heute sagen.Am 21.November 1834 wurde die preußische Telegrafenlinie von Berlin in die Rheinprovinz nach Koblenz durch den Königlich Preußischen Telegrafendirektor Generalmajor Franz August O’Etzel offiziell abgenommen.Das war vor 175 Jahren und ein Grund, über dieses einmalige, hier in Flittard stehende Denkmal der Kommunikationstechnik ein paar Sätze zu schreiben.Der Berliner Geheime Postrat Carl Philipp Heinrich Pistor hatte, inspiriert durch Telegrafengeräte aus England, die technische Idee zum Bau der Telegrafenlinie.Der Aufbau und spätere Betrieb der Linie lag aber in der Zuständigkeit des preußischen Militärs.Nur am Anfang und Ende der Linie waren so genannte Expeditionen, Versandabteilungen, vorgesehen. Es wurde kein Wert auf den Anschluss von Städten an die Telegrafenlinie gelegt, daher wurden viele Stationen außerhalb von Ortschaften, an auf gute Fernsicht hin ausgewählten Punkten errichtet.Für die Strecke Berlin-Koblenz wurden 60 Stationen ausgewählt. Teils wurden die Stationen zwar mit regional bedingten Materialien aber nach einheitlichem Konzept neu erbaut, teils wurden vorhandene Gebäude entsprechend genutzt.Die Bauarbeiten wurden gleichzeitig vergeben, um eine Inbetriebnahme nicht zu verzögern. Die Strecke begann in Berlin auf der alten Berliner Sternwarte und endete zuerst auf der Feste Ehrenbreitstein.Durch das Übersetzen mit der Depesche über den Rhein von Ehrenbreitstein nach Koblenz, dem eigentlichen Ziel, ging wertvolle Zeit verloren, sodass man sich entschloss, eine weitere Station, Nr. 61, auf dem Koblenzer Kurfürstlichen Schloss einzurichten, das zu dieser Zeit als Kaserne diente.

Flittard war die 50. Station in der Linie. Station 49 (Luftlinie 5,2 km) stand in Schlebusch auf der Schlebuscher Heide. Heute zeugt nur noch der Straßenname „Am Telegraf“ von diesem Abschnitt der Ge-schichte. Die Reste der dortigen Station wurden 1954 abgebrochen.Die Station 51 (Luftlinie 8,6 km) war auf dem Mittelturm von St. Pantaleon in Köln eingerichtet. St. Pantaleon war zu dieser Zeit evangelische Garnisonskirche.Dies ermöglichte den Umbau des Turms, bei dem der komplette barocke Giebelhelm des Turmes entfernt und ein Observationszimmer darunter eingebaut wurde.Schnell wurde auch erkannt, dass in der mit rund 95.000 Einwohnern wirtschaftlich wie verkehrstechnisch bedeutenden Stadt Köln weder Nachrichten empfangen noch abgesandt werden konnten. Für Berlin bestimmte Nachrichten aus England oder Belgien, die in Köln eintrafen, mussten zunächst per Bote nach Koblenz übermittelt und dann von dort wieder über Köln nach Berlin telegrafiert werden, wodurch sie um einen Tag verzögert wurden. Daher eröffnete man im Jahre 1836 schließlich ein drittes Expeditionsbüro an der Kölner Telegrafenstation St. Pantaleon. Typengleich mit der Station Nr. 50, Flittard waren die Stationen Schlebuscher Heide, Niederzündorf und Söven bei Hennef an der Sieg.Die Stationen bestanden aus einem Wohnhaus mit Signalturm und einem angebauten Wirtschaftsge-bäude. Der Signalturm war vier Stockwerke hoch und trug einen ca. 10 Meter langen Signalmast mit drei Signalpaaren (6 Indikatoren), die jeweils einzeln aus dem Telegraphendienstraum eingestellt werden konnten. Die Indikatoren hatten Gegengewichte, um eine leichte Einstellung zu gewährleisten, waren schwarz um Blendungen zu verhindern und winddurchlässig.

St. Pantaleon mit Telegraphenmast um1835 (Bild 1)

Modellzeichnung der baugleichen Telegrafenstation Schlebusch: Stadtgeschichtliche Vereinigung e.V. Leverkusen, Rolf Müller, Leverkusen 1991 (Bild 2)

Das ursprüngliche vierte Stockwerk wurde bei der Restaurierung in Flittard nicht wieder aufgesetzt. Das Wirtschaftsgebäude diente zur Lagerung von Gerätschaften und zur Kleintierhaltung. Die Stationen waren in der Regel mit zwei Telegraphisten besetzt, die auch mit ihren Familien in dem Wohngebäude lebten. Die Grundstücke waren so bemessen, dass die Familien sich selbst versorgen konnten. Das Grundstück für die Telegraphenstation in Flittard wurde von dem Grafen von Fürstenberg-Stammheim kostenfrei an Preußen abgetreten.Beide Telegrafisten einer Station überwachten in regelmäßigen, kurzen Abständen die beiden Nachbar-stationen. Bei ruhender Linie geschah die Überwachung im Minutentakt, während der geplanten Übermittlungsphasen mehrmals in der Minute. Ein ununterbrochenes Beobachten wurde vermieden, um die Augen nicht zu überlasten.Bei der Nachrichtenübermittlung beobachtete ein Telegrafist die sendende Station und diktierte dem Kollegen die Signalstellung in der Reihenfolge von A nach C. Der Kollege stellte die Hebel entsprechend und kontrollierte dann die nachfolgende Station, ob sie sein Zeichen ebenfalls richtig empfangen und weitergegeben hatte. Anschließend wurde das Zeichen in das Stationsjournal eingetragen.Jede Depesche führte neben dem Nachrichtentext auch Informationen über Datum und Zeit des Abgangs aus der Expedition.Dringende Nachrichten waren mit dem Zeichen „B4.3 C4.3“ für „Citissime!“ (lat.: aufs schnellste!) gekennzeichnet. Sie waren bevorzugt zu behandeln und bei einem Ausfall von Abschnitten der Linie mit Boten zur nächsten funktionierenden Station zu befördern.Zur Vermeidung von Überschneidungen waren feste stündliche Übermittlungszeiten von Koblenz in Richtung Berlin vorgesehen. Lag keine solche Nachricht mehr vor, wurde das Zeichen „A5.2 C5.2“ – „Nichts Neues“ versandt – dann sollten die Depeschen in umgekehrter Richtung telegrafiert werden. Leerlaufzeiten zwischendurch waren für administrative Nachrichten der Stationen vorgesehen. Bei klarer Sicht konnte der preußische Telegraf zwei bis drei Zeichen pro Minute in die Ferne schreiben. Für 30 Worte brauchte man etwa 90 Minuten. Sechs Depeschen pro Tag waren die Regel.

Zum Stellen und Ablesen bezeichnete man die drei Etagen des Signalmastes mit A, B und C, wobei von unten nach oben gelesen wurde. Die Notation einer vollständigen Zeichenstellung lautete dann A [untere Etage] B [mittlere Etage] C [obere Etage], zum Beispiel „A5.2 B7 C8“ – (siehe Bild 2) hier bilden die mittleren Telegrafenarme die Zahl 7 während die oberen die Zahl 8 und die unteren die Zahlenkombination 5.2 bilden.

Die Stellhebel im Telegrafenraum hatten die gleiche Anordnung wie die Indikatoren am Signalmast (Bild 4)

Aus dem Taufbuch der Pfarre St. Hubertus ist uns auf den Seiten „Allerlei zur Chronik“ aus dem Jahr 1882 folgende Eintragung erhalten:1882 am 29. November morgens gegen vier Uhr erreichte der Rhein am Kölner Pegel eine Höhe von 30 Fuß, 4 Zoll, rh.= 32 Fuß, 5 Zoll Köln=9,52 Meter. Das Rheinwasser stand in der hiesigen Kirche zum hl. Hubertus auf dem Chore 1-2 Zoll hoch bis an die Sakristeitüre. Da der Kirchhof selbstverständlich auch unter Wasser gesetzt war, konnte das am 26. November verstorbene Kind des in dem alten Telegrafen-gebäude wohnenden Schmiedemeister Malzkorn erst am 3. Dezember, nachdem das Wasser sich ver-laufen, begraben werden.Besagter, auf Schloss Stammheim in Diensten stehender Schmied musste die Leiche seines Kindes während dieser Zeit auf dem Speicher aufbewahren.Der ehemalige Telegraf in Flittard fristete bis 1950 ein tristes Dasein. In den 60er Jahren, vor der Restaurierung, war die Station aber noch bewohnt. Ich selbst war zu dieser Zeit öfters im Telegraf um einen damaligen Freund zu besuchen und hatte mit Staunen festgestellt, dass alle Lampen, sogar ein Kühlschrank und der Herd mit Gas betrieben wurden. Es gab keinen elektrischen Strom.Erst ab 1964 bis zum Jahre 1971 wurde die Telegrafenstation mit Unterstützung der Industrie- und Han-delskammer von der Stadt Köln rekonstruiert. Bei der Rekonstruktion wurde nur eins der abgetragenen zwei Stockwerke wieder aufgebaut, sodass der Signalturm seine ursprüngliche Höhe nicht erreichte. Der Signalmast wurde von der Lehrwerkstatt des Bundesbahnausbesserungswerks in Nippes nach alten Vorlagen gefertigt.Die Flittarder Telegrafenstation wurde unter der Leitung des Kölner Stadtmuseums als „Kleinstes Museum Kölns“ geführt und 2005 aus Kostengründen geschlossen.Für die Öffentlichkeit ist die Station nur noch zum Tag des offenen Denkmals zugänglich.

Codierung von Buchstaben und Zahlen am Signalmast (Bild 3)

Telegraf 1954 (Bild 5)

Quellen:Die Telegraphenstation Köln-Flittard: Eine kleine Geschichte der Nachrichtentechnik von Hermann Kellenbenz , Hans Pieper , Köln 1973Die Entwicklung der optischen Telegrafie in PreußenVon Dieter Herbarth, Köln 1978, Bild 3Stadtgeschichtliche Vereinigung e.V. Leverkusen, Rolf Müller, Leverkusen 1991, Bild 2Stadtarchiv LeverkusenTaufbuch der Pfarre St. Hubertus, Köln-FlittardBild 1, Kölnische Rundschau, 21.08.1968Bild 4 - 6, Bildarchiv Flittard, Hans Metzmacher

Telegraf nach der Restaurierung 1970 (Bild 6)

BILDER AUS DEM ORT >> Optischer Telegraf, Station Nr. 50



Flittarder

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